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Tempodrom

 
 
 
 
 
 
 
Möckernstraße 10, 10963 Berlin
Kreuzberg


Wie bei so Vielem kann man mindestens zweierlei darunter verstehen: Das alte Tempodrom war eine alternative Spielstätte in Form eines Zirkuszeltes, das neue Tempodrom sieht eher wie der Fujijama aus und ist ein kommerzieller Veranstaltungsort.
Die Geschichte, die dahinter steht, wird später sicher einmal verfilmt, hier versuchen wir mal eine kurze Zusammenfassung, obwohl sicher nicht alle Aspekte dargestellt werden können:

1. Die Krankenschwester Irene Moessinger erbt Ende der 70er Jahre in Westberlin unerwartet 800 000 D-Mark. Nach einigem Grübeln kauft sie sich davon ein Zirkuszelt, um Kultur darin zu veranstalten (keine Zirkusnummern!).

2. Obwohl sie bereits nach einem Jahr fast pleite war, hatte der Name Tempodrom bereits einen Ruf in der Kulturszene, so dass sich der Senat mit aufs Trittbrett geschwungen hat. In diesem Zusammenhang bekam das Tempodrom auch einen neuen Standort im Tiergarten neben der ehemaligen Kongresshalle („Schwangere Auster“), direkt am Carillon, das zur 750-Jahr-Feier von Daimler-Benz der Stadt spendiert wurde. Hier hatte sich dann ein Spielort entwickelt, der in Deutschland seinesgleichen suchte. Unvergessen waren die Performances von Dario Fo, einem italienischen Komödianten, und die des Frauenzirkus´ Cirque de Barberie. Im Sommer gab es regelmäßig Gratis-Konzerte unter dem Motto „Umsonst und draußen“, die Kosten wurden über die Getränke wieder eingespielt. Es hätte so schön sein können !

3. Das vorläufige Ende nahte in Form der Wiedervereinigung. Der Tiergarten – früher einmal das Diplomatenviertel, im geteilten Berlin eine Randlage – wurde nach dem Hauptstadtbeschluss zu Teilen als Regierungsviertel deklariert. Das großspurig angekündigte „Band des Bundes“ sollte über die Spree von Ost- nach Westberlin gehen und kurz vor der alten Kongresshalle (heute: Haus der Kulturen der Welt) sollte das Kanzleramt hin. Regierung hat Vorfahrt und der Wunsch eines Kanzlers (Kohl) ist Befehl: Alternative Kultur im Vorgarten des Kanzlerbungalows? Undenkbar. Das Tempodrom musste weg.

4. Nur Querulanten würden hier anmerken, dass dort eigentümlicherweise jetzt wieder ein Zelt steht, das sogar mit dem Standort Reklame macht: Das Tipi am Kanzleramt. Man hätte sich also den folgenden Bauskandal sparen können, aber wen interessieren schon derartige Aufrechnereien?

5. Für einen neuen Standort startete Moessinger eine Sammelaktion (STEINREICH), bei der man gegen eine Spende einen signierten Stein erwerben konnte, der angeblich im Bau verwendet werden sollte. Auch sollte man dann bevorzugte Karten als Spender bekommen. Doch nun schaltete sich die hohe Politik ein in Gestalt des späteren Bausenators Peter Strieder. Aber wir kennen das nunmehr auch von anderen Projekten, dass das erfahrungsgemäß schief geht. So auch hier: Die Kosten wurden schlichtweg doppelt so hoch, etliche Baumängel sind bis heute nicht richtig behoben und Herr Strieder musste seinen Hut nehmen.

6. Auch das neue Tempodrom war ein Jahr nach seiner Eröffnung (2002) – ähnlich wie das alte – pleite und musste Insolvenz anmelden. Die Justiz suchte ein Bauernopfer und klagte Irene Moessinger (und ihren Geschäftsführer) wegen Untreue an, musste beide aber „wegen erwiesener Unschuld“ freisprechen. Die Baukosten trägt also der Landeshaushalt, vulgo der Berliner Steuerzahler, da der jetzige Veranstalter natürlich nicht die überzogenen Summen übernehmen muss. Aber „umsonst und draußen“ ist hier nichts mehr............

7. Ein Wort zur Standortwahl : Das neue Tempodrom steht auf dem Gelände des ehemaligen Anhalter Bahnhofs, einer Eisenbahnkathedrale von 1880. Der Abriss dieses Bahnhofs ist wiederum ein Skandal eigener Güte. Vom Bahnhof blieb nur ein Teil der Frontfassade am Askanischen Platz stehen, weiter hinten im Gehölz kann man noch alte Schienen und Bahnsteigkanten erahnen. Dazwischen steht nun irgendwie völlig unplatziert das Tempodrom, und weil noch etwas Raum blieb, befindet sich vor dem Tempodrom noch ein Fußballplatz mit einem 4 m hohen Ballfangzaun. So irre kann manchmal Stadtplanung sein.


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